GKO-Schädelstudie von Jürgen Schäfer

vorgestellt in der Charité in Berlin

Am 05.09.2017 wurde die von der Gesellschaft für Kinderosteopathie (GKO) in Auftrag gegebene
Studie (zur Beweglichkeit der SSB) vorgestellt.
Der Titel der Studie lautet:

Empirische Untersuchung zur Sutherlandschen Theorie der Bewegung der Synchondrosis-Spheno-Basilaris am menschlichen Schädel

Beauftragt mit der Durchführung der Studie war Dr. h.c. Jürgen Schäfer M. Sc., D.O.Päd, DPO.

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Jürgen Schäfer in der Bibliothek im Wilhlem Waldeyer Haus

Im Rahmen einer Weiterbildungsveranstaltung der GKO wurden Auszüge aus der Studie in der historischen Bibliothek (der Anatomie) im Wilhelm Waldeyer Haus an der Charité in Berlin vorgestellt.

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Die Teilnehmer des Vortages war eine Gruppe von Ärzten, Osteopathen und Dozenten der GKO.

Abstrakt

Bisher gilt in der Osteopathie der Grundsatz: Die Synchondrosis-Spheno-Basilaris (SSB) bewegt sich; u.a. um definierte Achsen in Extension und Flexion. Diese These wurde von W.G. Sutherland aufgestellt und gilt bis heute als Regel in der cranialen Osteopathie.

Die von der Gesellschaft für Kinderosteopathie (GKO) in Auftrag gegebene Studie soll die These der Beweglichkeit der SSB überprüfen. Dazu wurden in verschiedenen Einrichtungen eine Vielzahl von Schädeln (500), vom Fötal-Schädel der 12. Woche bis hin zu Erwachsenenschädeln gesichtet, vermessen und Fotodokumentiert.

Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob die SSB eine Struktur, ähnlich einem Gelenk, bildet und damit im Sinne der Kinematik beweglich ist, und wenn ja, bis zu welchem Alter.

Im Bereich der Fötal- und Kinderschädel konnte die These, die SSB ist eine gelenkige Verbindung und beweglich, bestätigt werden.

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Bei den Erwachsenenschädeln konnte die These, die SSB sei eine gelenkige Verbindung und beweglich, aufgrund der kompletten spongiösen Durchbauung, eindeutig widerlegt werden.

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„Ich habe lediglich das Anliegen, bei diesem Thema der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen.
Osteopathie ist eine Wissenschaft. Ihr Nutzen ist die Heilung der Betroffenen.
Der Osteopath muss die Dinge ergründen und das Gesagte auch beweisen“.
A. T. Still

Schlüsselwörter

SSB, PRM, Bewegung der SSB, Ossifikation der SSB, bisherige Sichtweise der Osteopathie

Bisher gilt in der Osteopathie der Grundsatz: Die Synchondrosis-Spheno-Basilaris (SSB) bewegt sich; u.a. um definierte Achsen in Extension und Flexion. Diese These wurde von W.G. Sutherland aufgestellt und gilt bis heute als Grundsatzregel in der cranialen Osteopathie.
Diese These wird bis heute an allen Osteopathie-Schulen und cranialen Ausbildungsstätten so gelehrt.
In der gesamten Fachliteratur, die sich mit der SSB befasst, treffen zwei große Lager aufeinander.

Die Osteopathie (die SSB bewegt sich wahrnehmbar und organisiert damit den cranialen Bewegungsrhythmus.)
Die Schulmedizin (wissenschaftlich gilt als gesichert, dass die SBB im späten Adulten- und Erwachsenenalter vollständig verknöchert und damit nicht mehr beweglich ist.)

Die Thesen:

Die SSB bewegt sich im kinematischen Sinne:
Wissenschaftliche Beweise für eine kinematische Bewegung in der SSB nach dem 13. Lebensjahr bei Jungen und dem 16. Lebensjahr bei Mädchen liegen bisher nicht vor.

Die SSB bewegt sich nicht:

  • Die früheste Schließung der SSB wird bei Nakamura (1996) mit 11 Jahren bei Frauen angegeben.
  • Okamoto et al. (1996) zeigen die früheste Schließung der SSB bei Männern im Alter von 13 Jahren.
  • Nachweis der knöchernen Durchbauung durch RÖ, MRT, CT und Histologie.

Die Literaturrecherche, die dieser Arbeit zugrunde liegt hat gezeigt, dass wir aus Sicht der Osteopathie hier von einer völlig disparaten Datenlage auszugehen haben.
Es konnte bisher kein einziger wissenschaftlicher Beweis dafür gefunden werden, dass es im späten Adulten- und Erwachsenenalter tatsächlich eine Bewegung in der SSB gibt.

Fazit

Das Fazit dieser Studie legt den Schluss nahe, dass die SSB beim Erwachsenen kein Punktum mobile darstellt, sondern ein Punktum fixum. Ein Punktum fixum, um das sich die Bewegungsdynamik des Schädels und die der Meningen orientiert und organisiert.

Wenn die Ergebnisse dieser Studie dazu beitragen würden, die Diskussion um eine Beweglichkeit in der SSB auf faktenbasierter Basis neu zu beleben, wäre das für die Osteopathie ein wichtiger Schritt, auch für den interdisziplinären Austausch.

Vor dem Hintergrund der vorgestellten Ergebnisse erscheint es somit geboten, sich den Realitäten objektiv zu stellen. Daneben muss zwingend ein vernuftsorientierter Dialog mit der Schulmedizin einsetzen, der der Tatsache gerecht wird, dass sich die SSB beim Erwachsenen, physiologischer Weise (im Sinne der Kinematik) nicht mehr bewegt und damit auch nicht als gelenkige Struktur bezeichnet werden kann. Eine an den belegten Tatsachen orientierte Diskussion würde auch der Anerkennung der Osteopathie als seriöse medizinische Behandlungsmethode im Allgemeinen einen großen Dienst erweisen.

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